Deine Stillreise - meine Poesie Teil 3

Über mich, was macht mich aus?
Deine Stillreise – meine Poesie ist eigentlich eine Reihe über euch.
Über Mütter. Über Babys. Über Zweifel, Liebe, Überforderung, Stillen, Nichtstillen und all die Wege dazwischen.
Aber heute möchte ich einmal den Blickwinkel ändern.
Denn vielleicht fragst du dich, warum ich diese Texte überhaupt schreibe. Warum es mir so wichtig ist, nicht einfach zu sagen: So muss man es machen. Warum ich Dogmatismus und dieses ewige Schwarz-Weiß-Denken so furchtbar finde.
Vielleicht liegt ein Teil der Antwort in mir selbst.
In meiner Geschichte. In dem, was mich geprägt hat. In den Dingen, die ich gelernt habe. Und vielleicht auch in den Dingen, die mir manchmal gefehlt haben.
Ich glaube nicht daran, dass es für jede Familie nur einen richtigen Weg gibt.
Ich glaube daran, genau hinzuschauen.
Was braucht dieses Baby?
Was braucht diese Mutter?
Was braucht diese Familie?
Und manchmal ist die richtige Antwort eben nicht die, die in irgendeinem Ratgeber steht.
Vielleicht ist sie auch nicht die, die auf Instagram gerade am lautesten vertreten wird.
Vielleicht ist sie einfach die, die für euch passt.
Ich berate keine Diagnosen.
Keine Statistiken.
Keine perfekten Instagram-Familien.
Ich berate Menschen.
Und vielleicht ist es deshalb an der Zeit, dass du auch ein kleines bisschen mehr darüber erfährst, wer eigentlich die Frau hinter diesen Worten ist.
Also heute einmal:
Meine Geschichte. Meine Werte. Meine Poesie.
Ich komme nicht aus einer perfekten Geschichte.
Aber mal ehrlich: Wer tut das schon?
Wahrscheinlich trägt fast jeder etwas aus seiner Kindheit mit sich herum. Dinge, die gefehlt haben. Dinge, die wehgetan haben. Dinge, die unsere Eltern im Rückblick vielleicht hätten besser machen können.
Meine Eltern haben auch Dinge verkackt.
Und trotzdem weiß ich heute: Sie haben wirklich ihr Bestes für uns gegeben.
Vielleicht war ihr Bestes nicht immer das, was ich gebraucht hätte. Vielleicht ist mein Bestes für meine Kinder heute ein anderes.
Aber auch meine Eltern hatten ihre Geschichte. Beide sind ohne Vater aufgewachsen. Vieles erklärt das nicht. Aber manches kann ich heute besser verstehen.
Ich kann sagen: Das war nicht immer gut.
Und gleichzeitig: Ich weiß, dass ihr euer Bestes gegeben habt.
Beides darf wahr sein.
Ich bin kreativ, vielseitig interessiert und heute deutlich selbstbewusster als früher.
Das war ich nämlich nicht immer.
Früher war ich schüchtern und unsicher. Also habe ich irgendwann angefangen, einfach so zu tun, als wäre ich selbstbewusst.
Irgendwann haben es mir die anderen abgenommen.
Und irgendwann ich selbst.
Ganz weg ist diese Unsicherheit trotzdem nicht. Es gibt immer noch Momente, in denen ich denke: Bin ich eigentlich richtig, so wie ich bin?
Vielleicht, weil ich nie besonders gut darin war, irgendeiner Norm hinterherzulaufen.
Und ehrlich gesagt: Ich will das auch nicht.
Wenn man genauer hinhört, sind viele Menschen, die perfekt in diese Norm passen, selbst gar nicht so glücklich damit. Sie würden manches vielleicht anders machen – aber sie trauen sich nicht oder kommen aus ihren Rollen nicht heraus.
Ich habe ADHS und meine Themen. Ich bin manchmal impulsiv, manchmal zu direkt und manchmal vielleicht auch einfach anstrengend.
Aber ich versuche nicht, jede Scheiße auf meine Diagnosen zu schieben.
Sie erklären manches.
Sie entschuldigen nicht alles.
Verantwortung zu übernehmen ist mir wichtig.
Wenn ich Mist gebaut habe, muss ich dazu stehen. Wenn ich jemandem Unrecht getan habe, kann ich mich entschuldigen. Und wenn ich etwas zusage, dann versuche ich, mein Wort zu halten.
Denn mit einer Sache komme ich wirklich schlecht klar:
Lügen.
Lieber scheiße und ehrlich als verlogen und nett.
Ich möchte wissen, woran ich bin. Und ich möchte, dass andere wissen, woran sie bei mir sind.
Respekt ist mir genauso wichtig.
Dabei sind mir Titel ziemlich Wurst.
Ob jemand beim Bäcker arbeitet, bei der Tafel, im Sozialkaufhaus oder in einem schicken Kaufhaus: Da steht ein Mensch vor mir.
Also sage ich Guten Tag, Bitte, Danke und Auf Wiedersehen.
Nicht, weil jemand „wichtig“ ist.
Sondern weil jeder Mensch Respekt verdient.
Ich passe auch nicht besonders gut in diese klassischen Gruppen.
Mama, Papa, Kinder, Freundeskreis, alle kennen sich, alle gehören irgendwie zusammen.
Ich habe lange genug erlebt, nicht dazuzugehören.
Heute denke ich manchmal ganz bewusst:
Vielleicht will ich da auch gar nicht dazugehören.
Menschen können allein ziemlich klug sein. In Gruppen werden sie manchmal erstaunlich dumm. Dann wird geredet, bewertet, nachgeplappert und ausgegrenzt.
Nein danke.
Ich brauche keine Gruppe, in der ich mich verbiegen muss, damit ich dazugehören darf.
Und trotzdem wäre es gelogen, wenn ich behaupten würde, dass ich nie neidisch bin.
Nicht auf die perfekte Fassade.
Ich weiß, dass hinter vielen Haustüren auch nicht alles so harmonisch ist, wie es nach außen aussieht.
Aber manchmal wäre es schon schön, Dinge einfach zu zweit machen zu können.
Wenn ich mit dem Wohnwagen losfahre, muss ich organisieren, planen, packen und an alles denken.
Ich kann das.
Aber manchmal hätte ich einfach gerne jemanden, der sagt:
„Mach du das. Ich kümmere mich um den Rest.“
Nicht, weil ich nicht stark bin.
Sondern weil stark sein nicht heißen muss, immer alles alleine machen zu wollen.
Und wenn wir schon bei Verantwortung sind: Ich erwarte sie auch von anderen.
Wenn wir etwas gemeinsam vereinbaren, dann erwarte ich, dass du deinen Teil übernimmst.
Ich helfe gerne.
Aber ich möchte nicht automatisch die Person sein, bei der alle denken:
„Die macht das schon.“
Und ja: Ich bin auch nicht immer nett.
Wenn jemand scheiße zu mir ist und ich selbst einen beschissenen Tag habe, kann es passieren, dass ich auch nicht gerade zuckersüß reagiere.
Ich bin schließlich kein buddhistischer Mönch.
Aber ich habe ein weiches Herz.
Ich halte für einen Regenwurm an.
Für eine Biene.
Für eine Blindschleiche mitten auf der Straße.
Vielleicht sammle ich Karma-Punkte.
Vielleicht finde ich einfach, dass auch ein kleines Leben es wert ist, kurz anzuhalten.
Ich kann kämpfen.
Ich kann laut werden.
Ich kann mich wehren.
Und ich bin ziemlich sicher: Ich werde überleben.
Aber eigentlich möchte ich gar nicht ständig kämpfen.
Das ist vielleicht der größte Widerspruch an mir.
Ich bin stark genug, um mich durchzusetzen.
Aber ich wünsche mir eigentlich, dass wir ein bisschen freundlicher miteinander umgehen würden.
Ich finde es schlimm, wie schnell heute alles eskaliert. Wie schnell aus einer anderen Meinung ein Angriff wird und aus einem Konflikt ein Kampf.
Ich kann kämpfen, wenn ich muss.
Aber Frieden wäre mir lieber.
Ich bin nicht perfekt.
Ich bin manchmal zu direkt, manchmal unsicher, manchmal impulsiv und manchmal verdammt anstrengend.
Aber ich bin kreativ.
Ich bin neugierig.
Ich übernehme Verantwortung.
Ich halte zu meinem Wort.
Ich helfe, wenn ich kann.
Ich respektiere Menschen, nicht ihre Titel.
Und ich werde mich nicht mehr so klein machen, dass ich irgendwo reinpasse, wo ich gar nicht hingehöre.
Und wenn Menschen mir sagen, sie bewundern mich dafür, was ich alles hinkriege, wie ich meinen Weg gehe oder wie individuell ich bin, dann versuche ich inzwischen, es einfach anzunehmen.
Vielleicht bin ich nicht perfekt.
Aber vielleicht bin ich doch, ganz diplomatisch gesagt:
eine ziemlich coole Frau.
Und ganz ehrlich?
Das reicht mir. ❤️





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